Der Magnettest ist kein Qualitätsurteil
Im Grillbereich hält sich die Faustregel: Haftet ein Magnet, sei es kein guter Edelstahl. Das ist technisch zu pauschal. Edelstahl beschreibt eine große Werkstoffgruppe mit unterschiedlichen Gefügen und Legierungen. Einige rostbeständige Edelstähle sind deutlich magnetisch, andere kaum.
Austenitische und ferritische Edelstähle
Viele austenitische Chrom-Nickel-Stähle, darunter verbreitete Werkstoffe aus der 304-Familie, sind im lösungsgeglühten Zustand nicht oder nur sehr schwach magnetisch. Ferritische rostbeständige Stähle sind dagegen magnetisch. Beide Werkstoffgruppen können je nach Bauteil sinnvoll eingesetzt werden. Der Edelstahlhersteller Outokumpu beschreibt austenitische Güten im lösungsgeglühten Zustand als nichtmagnetisch und weist darauf hin, dass Kaltverformung durch Martensitbildung Magnetismus hervorrufen kann. Quelle: Outokumpu – The stainless steel family.
Verarbeitung kann Magnetismus verändern
Kaltverformung, Schweißen und lokale Gefügeänderungen können auch bei ursprünglich kaum magnetischen Werkstoffen eine messbare magnetische Reaktion erzeugen. Deshalb lässt sich aus dem Verhalten eines Magneten keine sichere Werkstoffnummer ableiten.
Was beim Grill wichtiger ist
Für Rost, Brenner, Haube und Unterbau gelten unterschiedliche Anforderungen. Korrosionsumgebung, Materialstärke, Konstruktion, Schweißnähte und Pflege sind oft relevanter als der Magnettest. Eine konkrete Werkstoffangabe ist aussagekräftiger. Eine Einordnung zu V2A, V4A, 304 und 316 findest du im Grundlagenartikel.
Fazit
Magnetisch bedeutet nicht automatisch schlecht und unmagnetisch nicht automatisch hochwertig. Der Magnet ist höchstens ein Hinweis auf das Werkstoffgefüge, aber kein verlässlicher Qualitätsprüfer für einen Grill.

